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Möhnesee 2010 Reisebericht
01.09.2010 - 11:30 von Timo

Möhnesee 26.-29.08.2010
Wenn drei Männer eine Reise tun...



Alle Jahre wieder lädt am letzten Wochenende der NRW-Ferien die Schachabteilung Möhnesee zu Ihrem Turnier ein. Gleich drei Spieler der ersten Mannschaft nutzten die gute Trainingsmöglichkeit.

Möhnesee Pokal

Unser Fahrer Dennis brachte uns sicher an den Möhnesee, wo am gleichen Abend die erste Runde startete. Und bereits diese Runde sorgte für zwei faustdicke Überraschungen: Andiy (Nr.5 der Setzliste im B-Turnier) kam gegen seinen nominell schlechteren Gegner nicht über ein Remis heraus und auch ich hatte es direkt mit einem 12jährigen Kaderspieler aus Niedersachsen zu tun. Schlecht aus der Eröffnung herausgekommen, musste ich zähe Verteidigungskünste unter Beweis stellen, um die Stellung noch remis zu halten. Dennis Reh hielt lange mit, doch am Ende machten sich die 500 DWZ mehr seines Gegners auch auf dem Brett bemerkbar.


Jugendherberge Möhnesee


Tag Zwei begann mit einem leckern Frühstück. Die Jugendherberge wurde vor kurzem komplett renoviert und auch das reichhaltige Frühstücksbuffet konnte sich sehen lassen. Gut gestärkt wurden um 9:30 Uhr im Haus des Gastes die Uhren gestartet. Am Brett wartete bereits wieder eine undankbare Aufgabe auf mich: ein Jugendlicher, der wahrscheinlich um einiges besser spielt, als seine Zahl vermuten lässt. Und so kam es dann auch: schlechte Stellung, drohende Zeitnot, zwei Bauern weniger, eigentlich nur noch eine Frage der Zeit! Aber dann passierte das Unglaubliche. Mein Gegner lief in eine letzte Falle, verlor den Turm und ein paar Züge später damit auch die Partie.
Andiy gewann. Dennis hatte es wieder mit einer 300 DWZ stärkeren Nuß zu tun und verlor. Nach einem kurzen Mittagsschlaf in der Jugendherberge kehrten wir um 15:30 Uhr zurück in den Turniersaal. Hier erwartete mich die nächste Überraschung: mit 1,5 aus 2 Punkten traff ich auf IM Yuri Boidman(2431). In der Eröffnung kannte ich mich gut aus. Durch eine kleine Unachtsamkeit kam der Internationale Meister dennoch in Vorteil. Doch dann: Yuri nahm seinen Turm in die Hand, stelle ihn zurück auf sein Feld und verfiel in tiefes Grübeln. Was hatte er gesehen? Ich schaute mir die Stellung genauer an und fand schnell die Variante, die er gefunden hatte. Nach genauem Durchrechnen erkannte ich immer mehr, dass ich mir einem Bauernopfer in eine aussichsreiche Stellung kommen konnte. Berührt, geführt! Mein Gegner hatte keine Wahl! Er musste in die kritische Variante einsteuern und der Rest war erzwungen. Dies war wahrscheinlich die beste Chance, einen IM zu bezwingen oder zumindest ein Remis zu erkämpfen. Leider verrechnete ich mich ein paar Züge später und gab enttäuscht auf. Auch Andiy patzte eine Figur ein und konnte nur mit viel Glück und Pokerface noch ein Remis bekommen.
Dennis hatte diesmal einen schlechteren Gegner und kam zu seinem ersten Punkt. Der Abend klang gemütlich mit einer Runde Skat im "Gernonimo" aus. Wenn der alte Kriegshäuptling, der damals gegen die Truppen der USA und Mexiko kämpfte, wüsste, dass wir in seinem Laden Nachos gegessen haben, der würde bestimmt das Kriegsbeil nochmal ausgraben!

Hier ein paar Infos über Geronimo aus Wkipedia:
Gokhlayeh oder Goyathlay (eigentlich Bedonkohe: Goyaałé, „der Gähnende“, * 16. Juni 1829; † 17. Februar 1909 Fort Sill, Oklahoma), später genannt Geronimo, war der Kriegshäuptling und Schamane (Diyin) einer Gruppe der Bedonkohe-Inde. Sein Widerstand gegen das Vordringen der Truppen der USA und Mexikos machte ihn zu einem der bekanntesten Indianer Nordamerikas.

Am Samstagmorgen hatte ich den ersten nominell gleichstarken Gegner.
In einem interessanten c3-Sizilianer musste ich lange um den Ausgleich kämpfen. Dies kostete mich einiges an Zeit! Doch dann konnte ich die Initiative ergreifen. Durch zwei geschickte Damenzüge erreichte ich am Ende eine aussichtsreiche Stellung. Mit drei Minuten auf der Uhr für 11 Züge bot ich aber dann doch lieber Remis, was mein Gegner dankend annahm. Andiy gewann erwartungsgemäß und Dennis kam gegen einen Jugendlichen mit 1400 unter die Räder. Nach der Runde blieb ein bisschen Zeit. Ich schlenderte zum See, aß eine Currywurst und schaute beim Start eines Drachenbootes zu. Das ist echt ein Gaudi! Sollte das Aktionsteam mal irgendwann anbieten!
Nachmittags saß mir dann der dritte Jugendliche gegenüber. In der MacCucheon-Variante der Französischen Verteidigung konnte ich mich nicht mehr an die Theorie erinnern. Ich musste improvisieren. Zum Glück fand Patrick Imcke an einer Stelle die beste Forsetzung nicht und so kam ich am Ende doch noch zu meiner angestrebten Stellung: Kampf guter Springer gegen schlechter Läufer! Allerdings war ich noch geschafft vom Vormittag und bot Remis. Patrick war zufrieden und nahm an. Die gemeinschaftliche Analyse zeigte, dass der kleine Vorteil nur sehr schwer zu verwerten war. Die Punkteteilung ging also in Ordnung.
Als ich im B-Turnier vorbeischaute, spielten sich an Andiys Brett unglaubliche Szenen ab. Andiy hatte nur noch sieben Sekunden für zwei Züge in hoffnungsloser Stellung! Er überstand die Zeitnot und nun konnte sein Gegner zweizügig mattsetzen! Doch stattdessen patzte er einzügig den Turm ein. Obwohl die Stellung nun aussichtsreich für Andiy war, endete die Partie nach ein paar weiteren Zügen remis.
Dennis hatte wieder einen 1500er-Brocken und verlor.
Bei der abendlichen Sportschau sahen wir dann, dass es auch Bayern, Wolfsburg und Schalke nicht besser geht. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Lautern - FC Bayern 2:0
Schalke - Hannover 1:2
Bremen - 1. FC Köln 4:2
Wolfsburg - Mainz 05 3:4
Frankfurt - HSV 1:3
Nürnberg - Freiburg 1:2
St. Pauli - Hoffenheim 0:1
Leverkusen - Gladbach 3:6
Stuttgart - Dortmund 1:3

Wolfsburg führte bereits 3:0 und kassierte in der zweiten halbzeit noch vier Gegentore. Das erinnert doch wirklich an eine Schachpartie, in der man in gewonnener Stellung noch die Dame einpatzt! Schön, dass es auch in anderen Sportarten bis zum Ende spannend bleibt!

Der letzte Tag begann etwas stressig. Nicht nur dass die Runde eine halbe Stunde früher anfing, wir mussten ja auch noch auschecken. Irgendwie haben wir es aber dann doch noch geschafft pünktlich an unseren Brettern zu sitzen. Ich musste gegen einen alten Freund spielen, am Nebenbrett spielte Leo Evers gegen seinen Schützling Frederik Eigemann. Beide Partien endeten relativ schnell remis - warum wohl? Fünf Stunden Zeit, um sich mal den Möhnesee genauer an zu sehen. Wie oft fährt man an schöne Orte, um dort Schach zu spielen. Allerdings besteht der Tagesablauf nur aus Schach spielen, Essen und Schlafen. Um so schöner war unsere Runde Adventure-Golf!


Philipp Schmitz beim Adventure-Golf


Auf Kunstrasen musste man - ähnlich wie beim Minigolf - mit möglichst wenig Schlägen den Ball ins Loch bringen. Allerdings standen einen viele Steine, Bäume und sogar ein Fluß im Weg! Das hat tierisch Spaß gemacht! Sehr empfehlenswert! Aber guckts euch selbst an:
Adventure Golf


morgens remis - nachmittags rudern!


Anschließend habe ich mir dann zusammen mit Philipp Schmitz ein Ruderboot ausgeliehen. Einmal Jugendherberge und zurück hieß die Rute bei starkem Seegang. Leider wollte uns kein Segelboot in Schleptau nehmen, so mussten wir selbst ran! Nach einem kurzen Besuch im Ada-Grill, der besten Dönerbude in Körbecke, ging es dann wieder an die Bretter. Mit Alexander Volesky hatte ich bereits den vierten Jugendlichen und den zweiten langen Bekannten am Brett und so kam das Remisangebot nach zehn Zügen nicht überraschend. Allerdings hatte ich keine Lust, schon so früh zu schieben. Am Brett stand die schärfste Stellung, die ich in diesem Turnier hatte. Grob konnte ich mich an die Theorie erinneren, also ging es weiter. Alex wich an zwei Stellen von der Hauptvariante ab. Allerdings fand ich nicht, wie ich in Vorteil kommen konnte, wählte am Ende sogar eine folgenschwere Zugfolge und musste nach 17 Zügen aufgegeben.
Andiy hatte am Vormittag leider nur remis gespielt und sorgte in der letzten Runde für ein absolutes Kuriosum! Er opferte seine Dame, sein Gegner verfiel in tiefes Grübeln, schlug dann aber doch die angebotene Figur und bot gleichzeitig Remis! Wahrscheinlich hatte er nicht gesehen, welch wilder Angriff nun über seinen Könnig herstürmen würde, Andiy allerdings auch nicht! Die anschließende Analyse gestalte sich sehr amüsant. Andiy zeigte seine Angriffsideen, die allerdings alle früher oder später im Sande verliefen! Man muss halt nicht nur beim Pokern schon mal bluffen können! Damenopfer, Verluststellung, aber doch remis! Hut ab!
Dennis hatte am Vormittag mit Gabriele Kuckling eine nominell schlechtere Gegnerin. Er kam gut aus der Eröffnung raus und ging schnell einen Bauern in Führung. Allerdings hörte man ihn später laut Schei... schreien, als er einen Turm auf ein Feld gestellt hatte, wo dieser einfach von einem Läufer geschlagen werden konnte. Dieses Geburtstagsgeschenk ließ sich Gabriele (diese hatte tatsächlich Geburtstag!) nicht entgehen und holte sich den vollen Punkt!
Am Nachmittag nahm Dennis aber dann doch nochmal sein ganzes schachliches Können zusammen und sicherte sich in einer schönen Angriffspartie seinen zweiten Punkt. Anschließend gab es noch eine Runde Dominion im Gernonimo, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Nach drei Tagen Jugendherberge freut man sich so richtig auf sein eigenes Bett! Nun kann die Saison kommen...zzz...



Warum einen Fön mitnehmen?


Ich bin Deutschland!


Wenn das deine Tochter sieht! Gestandener Vater beim Zähneputzen!


Dennis beim Versuch sich mit den Fingernägeln zu rassieren!


Reisebericht von Timo Schönhof
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